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Barbara Göller

Barbara Göller

Neuerungen in den Prozess Templates des TFS 2015

Montag, 05. Oktober 2015

Das Release des TFS 2015 RTM, welches am 6.August 2015 veröffentlicht wurde, bringt nicht nur eine Reihe an neuen Features mit sich sondern auch Änderungen in den mitgelieferten Standard Prozess Templates. Diese Neuerungen beinhalten neben den üblichen kleineren Schönheitskorrekturen, wie z.B. die detailliertere Beschreibungen von Feldern und Korrekturen von fehlerhaften Hilfetexten, auch grundlegende Änderungen am Umgang mit den Prozess Templates. Diese können im schlimmsten Fall dazu führen, dass angepasste Prozess Templates nicht mehr in den TFS hochgeladen werden können.

Die wichtigsten Neuerungen, sowie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den verschiedenen Templates, werden in diesem Artikel vorgestellt. In einem Folgebeitrag wird dann erläutert, was im Umgang mit den Neuerungen zu beachten ist und wie Sie die Vorzüge, die diese mit sich bringen, auch in bereits angepassten Prozess Templates für sich nutzen können.

Die wohl offensichtlichste Veränderung ist die Umbenennung der Standard Templates. Die bisherigen ausführlichen Bezeichnungen MSF for CMMI Process Improvement x.x, MSF for Agile Software Development x.x und Microsoft Visual Studio Scrum x.x (wobei x.x die jeweilige Version bezeichnet, z.B. 2013.4) sind verschwunden. Stattdessen tragen die Prozess Templates nun die kurzen und prägnanten Namen CMMI, Agile und Scrum.

Hinzu kommt die Unveränderbarkeit von den drei Standard Prozess Templates. Dies bedeutet, dass keine Anpassungen an den Standard Templates mehr durchgeführt werden können. Die Identifizierung der Templates erfolgt dabei über die Guid des jeweiligen Templates (vgl. Abbildung 1).

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Abb.1: Identifizierung eines Prozess Templates via Guid

Ein weiterer wichtiger Punkt, der mit den neuen Prozess Templates Einzug hält, ist die Unterstützung des Scale Agile Framework (SAFe). Das Scale Agile Framework zielt darauf ab agile Vorgehen für große Organisationen handhabbar zu machen. Dabei addressiert SAFe insbesondere Probleme und Herausforderungen, welche für große Organisationen typisch sind wie z.B.fehlende Transparenz, parallele Work Streams, Multi-Team Management etc.

Die Unterstützung in den neuen Prozess Templates für das Framework ist an zwei Stellen umgesetzt:

Der auffäligste Punkt ist ein neuer Work Item Typ Epic, welcher logisch in den Work Item Hierarchien über den Features steht (vgl. Abbildung 2). Er ermöglicht damit auf einer abstrakten Ebene Features aus diversen Bereichen im Blick zu behalten. Das Epic Work Item kann über ein eigenes Backlog / Kanbanboard verwaltet werden. Dieses Bord ist pro Team aktivierbar bzw. deaktivierbar und wird per Default nicht eingeblendet.

Der zweite Punkt, welcher der Unterstützung des Frameworks zugute kommt ist die Einführung des neuen Feldes Value Area für alle Work Item Typen auf Portofolio-Ebene. Dies betrifft also neben den Epics und Features je nach Prozess Template auch Requirements (CMMI), User Stories (Agile) oder Product Backlog Items (Scrum) (vgl. Abbildung 2). Das neue Feld kann die zwei Werte Business (Standardwert) oder Architectural annehmen und und grenzt somit technische Architekturthemen von nicht-technischen Endkunden Anforderungen ab.

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Abb.2:Unterstützung des Scale Agile Framework – Einführung des Work Item Typs Epic

Eine weitere Änderung, die sich in allen Templates niederschlägt, ist die Einführung des Attributs refname für Work Item Typen (vgl. Abbildung 3), welcher einen spezifischen Work Item Typ eindeutig identifiziert. Für eigene Work Item Typen ist darauf zu achten, dass der Referenzname sich nicht mit bestehenden Microsoft-Namensgebungen  überschneidet und folgende Restriktionen befolgt: Der Referenzname …

  1. …darf max. 70 Zeichen (alphanumerisch, Unterstriche, Punkte, Bindestriche) enthalten,
  2. …muss mind. ein Punkt muss enthalten,
  3. …darf nicht mit einem Punkt, Unterstrich oder einer Zahl beginnen,
  4. …darf nicht mit einem Punkt enden,
  5. …darf nicht mehrere, aufeinanderfolgende Bindestriche beinhalten.

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Abb.3:Referenzname für Work Item Typen

Die letzte große Änderung der neuen Prozess Templates betrifft den Bereich Anpassung des Bug-Verhalten für Teams. So kann jetzt jedes Team  für sich bestimmen, ob es Bugs als separates Element außerhalb des Backlogs oder ab als Teil des Product Backlogs behandeln möchte. Darüber hinaus kann der Umgang auf dem Backlog konfiguriert werden. Dabei stehen die beiden Optionen zur Verfügung Bugs wie Tasks oder aber wie Requirements (bzw. Product Backlog Items oder User Stories) zu behandeln.

Um dieses Feature nutzen zu können, kann entweder der Configure Features-Wizard nach dem TFS Upgrade verwendet werden oder aber es müssen manuell dem Work Item Typ Bug je nach Prozess Template verschiedene neue Felder hinzugefügt werden. Dies sind sowohl für das CMMI– als auch für das Agile-Template die drei Felder Discipline, Remaining Work und Completed Work. Im Falle des Scrum-Template werden die drei neuen Felder Activity, Priority und Remaining Work sowie der Status New hinzugefügt.

Um das Ausrollen der neuen Features zu erleichtern besteht zuletzt noch die Möglichkeit Standardwerte für die Behandlung von Bugs als auch die Standardeinstellung für das Anzeigen der Portfolio-Backlogs über das Prozess Template mitzugeben. Dies geschieht in dem neuen Element Properties der Datei ProcessConfiguration.xml (vgl. Abbildung 4).

Das Property BugsBehavior kann dabei die folgenden drei Werte annehmen:

  1. AsRequirements: Bugs werden auf dem Backlog/  Board wie Requirements angezeigt
  2. AsTasks: Bugs werden auf dem Backlog /  Board wie Tasks angezeigt
  3. Off: Bugs werden nicht auf dem Backlog / Board angezeigt

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Abb.3: Neues Element Properties in der Prozesskonfiguration

Fazit

Neben den beschriebenen großen Änderungen innerhalb der Prozess Templates gibt es weitere kleinere Änderungen, die hier nicht im Detail beschrieben werden. Diese umfassen z.B. kleinere Anpassungen der Reports sowie Veränderungen im UI der Work Items.

Insgesamt wird deutlich, dass Microsoft nicht nur an den großen Features gearbeitet hat, sondern dass auch nützliche Kleinigkeiten unter der Motorhaube angepasst wurden. Wie Sie diese Veränderungen für ihre eigenen Prozess Templates für sich nutzen können und wie die Neuerungen zu behandeln sind erfahren Sie im zweiten Teil, welcher in wenigen Tagen erscheinen wird, in dem es dann heißt Gewusst wie – Tipps und Tricks im  Umgang mit den Neuerungen in den Prozess Templates des TFS 2015.

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